F1-Hybriden, Polyhybriden und Inzuchtdepression — die Unterschiede.
Mr.GramGram · 04. Juni 2026 · 9 Min. Lesezeit
Heute wird alles, was keine Landrasse und keine IBL ist, gern Hybrid genannt. Zwischen einem echten F1, einem Polyhybrid und einem selbstbestäubten S1 liegt jedoch ein großer Unterschied — und er entscheidet, was aus einer Samenpackung tatsächlich wächst.
Was F1 und Heterosis sind.
Ein F1-Hybrid ist das Ergebnis der Kreuzung zweier homozygoter Sorten (Landrassen oder IBLs). Der Klassiker ist eine Sativa-Landrasse gekreuzt mit einer Indica-Landrasse. Meist zeigt ein F1 Heterosis (Hybridwüchsigkeit): Die Nachkommen vereinen nicht nur die besten Seiten der Eltern, sie übertreffen sie.
Warum F2 und S1 an Kraft verlieren.
Kreuzt man zwei F1 (Ergebnis F2) oder bestäubt man ein F1 selbst (Ergebnis S1), greift Mendels zweites Gesetz: Merkmale spalten auf, die Hybridwüchsigkeit geht verloren, die Einheitlichkeit verschwindet. Ein wichtiges Detail: Ein S1 ist nicht dieselbe Sorte. Ein S1 aus einem F1 entspricht praktisch einem F2: Aa × Aa → 25 % AA, 50 % Aa, 25 % aa. Statt einer einheitlichen Mutterpflanze erhalten wir Aufspaltung.
Der Polyhybrid.
Der Großteil der „Sorten“ auf dem Samenmarkt sind Polyhybriden. Ein F1 ist die Kreuzung zweier homozygoter Eltern. Sobald Hybriden mit anderen Hybriden gekreuzt werden, mit mehrfachen Kombinationen und unübersichtlichen Stammbäumen, entsteht ein Polyhybrid: genetisch reicher, in der Nachkommenschaft aber weniger vorhersehbar.
Wo die Grenze liegt: Inzuchtdepression.
Beim Aufbau stabiler IBL-Linien gehen Züchter fast nie über F7–F8 hinaus. Der Grund ist die Inzuchtdepression, die Anhäufung „schlechter“ Merkmale bei enger Verwandtschaftskreuzung. Man sehe sich den Preis jedes weiteren Schrittes an:
| Generation | Heterozygote Gene | Depressionsrisiko |
|---|---|---|
| F5 | 6,25 % | ×1 |
| F6 | 3,125 % | ×2,5 |
| F7 | 1,5625 % | ×6 |
| F8 | 0,78 % | ×15 |
| F9 | 0,39 % | ×40 |
Der Schritt von F7 zu F8 erhöht die Stabilität nur um ~0,78 %, während das Depressionsrisiko um ein Vielfaches steigt. Weiter zu stabilisieren lohnt sich nicht und ist riskant.
Was Inzuchtdepression ist
Bei Mensch und Tier ist sie verheerend — man denke an die Habsburger. Bei Pflanzen verläuft sie milder, doch ab der siebten Generation häufen sich „schlechte“ Merkmale: Faszination beziehungsweise Verbänderung (verwachsene Stängel, oft mit Polyploidie verwechselt, obwohl es Verschiedenes ist), Zwergwuchs, mitunter Chlorose und im Extremfall nicht lebensfähiger Pollen.
Fragen und Antworten.
Worin unterscheidet sich ein F1 von einem Polyhybrid?
Ein F1 ist die Kreuzung zweier homozygoter Eltern und liefert Einheitlichkeit und Hybridwüchsigkeit. Ein Polyhybrid entsteht aus mehrfachen Kreuzungen von Hybriden — vielfältiger, aber weniger vorhersehbar.
Warum ist ein S1 nicht dieselbe Sorte?
Die Selbstbestäubung eines F1 führt zur Merkmalsaufspaltung wie bei einem F2. Der Mutterphänotyp wird nur teilweise reproduziert, die Hybridwüchsigkeit geht verloren.
Was ist Inzuchtdepression bei Pflanzen?
Die Anhäufung schädlicher Merkmale bei enger Verwandtschaftskreuzung ab etwa der siebten Generation: Verbänderung, Zwergwuchs, Chlorose, Schwächung und Pollensterilität.
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