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Dominante und rezessive Cannabis-Merkmale — wie man die Genetik einer Sorte liest.

03. Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit

Dominanz wirkt einfach: „ein dominantes Gen schlägt ein rezessives“. Doch sobald es um echte Sorten geht — violette Farbe, Autoflowering, Aroma — zeigt sich, dass sich sowohl diejenigen irren, die das Thema für offensichtlich halten, als auch diejenigen, die es für zu kompliziert halten. Schauen wir es uns an konkreten Beispielen an.

Diploid: warum es immer zwei Gene gibt.

Cannabis ist, wie der Mensch und die meisten Tiere, ein diploider Organismus. In jeder Zelle hat es 10 Chromosomenpaare: 9 Paare Autosomen und 1 Geschlechtspaar. Jedes Gen liegt in zwei Kopien vor, je eine von jedem Elternteil. Bei der Kreuzung wird der doppelte Satz in Hälften geteilt (Meiose), und der Nachkomme erhält je eine Hälfte von jedem Elternteil. Deshalb wird jedes Merkmal von zwei Genkopien bestimmt.

Die Konvention der Schreibweise.

Ein dominantes Merkmal schreibt man mit einem Großbuchstaben (zum Beispiel die Photoperiodik als „A“), ein rezessives mit demselben Buchstaben in Kleinschreibung (Autoflowering als „a“). Das dominante Merkmal zeigt sich, selbst wenn es nur einmal im Paar vorhanden ist; das rezessive nur, wenn beide Kopien rezessiv sind.

GenotypSchreibweiseWas sich zeigt
Zwei dominanteAAdominantes Merkmal
Dominant + rezessivAadominantes Merkmal
Zwei rezessiveaarezessives Merkmal

Die Zustände AA und aa nennt man homozygot, Aa heterozygot. Spielen Sie mit dem Punnett-Quadrat: Wählen Sie die Genotypen der Eltern und sehen Sie, wie sich die Nachkommen aufspalten.

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Punnett-Quadrat. Wählen Sie den Genotyp jedes Elternteils — Violett (A) dominiert über Grün (a). Die Anteile der Phänotypen werden automatisch berechnet.

Warum Violett Grün „schlägt“.

Kreuzen wir eine Sorte mit violetten Blüten und eine mit grünen. Kommen alle Nachkommen violett heraus, dann ist Violett dominant über Grün. Derselbe Mechanismus gilt beim Autoflowering: Kreuzen wir eine Photoperiod-Pflanze mit einem Autoflower, ist die gesamte erste Generation photoperiodisch. Das Autoflowering-Gen ist nicht verschwunden — es steckt im Genotyp, es zeigt sich nur nicht im Phänotyp.

Wozu das dem Grower und dem Käufer dient.

  • Feminisierte und reguläre Samen verhalten sich unterschiedlich: rezessive Merkmale können nur bei einem Teil der Pflanzen „auftauchen“ — das ist eine normale Aufspaltung, kein Mangel.
  • Stabilität ≠ Einheitlichkeit: Trägt eine Sorte heterozygote Paare, weichen einige Phänotypen voneinander ab. Je tiefer eine Sorte stabilisiert ist, desto geringer die Streuung.
  • Aroma kann rezessiv sein: Einige der interessantesten Terpenprofile sind rezessiv und lassen sich schwerer festigen.

Fragen und Antworten.

Was ist eine homozygote Sorte einfach erklärt?

Eine Pflanze, bei der beide Kopien des betreffenden Gens gleich sind (AA oder aa). Solche Sorten bringen einheitliche Nachkommen hervor. Landrassen und IBLs kommen der Homozygotie nahe, erreichen sie aber fast nie zu 100 %.

Kann Autoflowering dominant sein?

Praktisch nicht. Autoflowering ist ein rezessives Merkmal, und eine dominante Version davon wurde bislang nicht gefunden.

Warum fallen die Pflanzen aus einer einzigen Samenpackung unterschiedlich aus?

Weil die Sorte heterozygote Genpaare trägt und bei deren Aufspaltung (Mendels zweites Gesetz) ein Teil der Nachkommen rezessive Merkmale zeigt. Das ist ein Naturgesetz, kein Mangel der Samen.

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